Samen selber gewinnen – So geht‘s

Last Updated on 11. Dezember 2020 by annettes_blog

Lange Zeit habe ich Samen immer gekauft: Einerseits weil ich keine Ahnung hatte wie ich die Samen selber richtig gewinnen konnte. Und andererseits weil es mir auch zu viel Arbeit erschien.

Und dann bekam ich das Buch „Meine eigene Samen Gärtnerei“ von Constanze von Eschbach (KOPP Verlag) geschenkt. Und als es da so vor mir lag, war dann doch meine Neugierde geweckt: Wie geht das bei Tomaten und Paprika? Oder auch bei Feldsalat? So aufwendig sieht es dann ja doch nicht aus, oder? Vielleicht sollte ich es doch mal versuchen?

Gedacht – Getan: letzten Herbst habe ich zum ersten Mal meine eigenen Samen genommen. Da die Aussaat mit dem selbst hergestellten Saatgut in diesem Sommer gut geklappt hat, möchte ich euch hier meine Erfahrungen mitteilen:

Tomaten:

  1. Was man benötigt:
    – Messer
    – Kleine Schüssel mit kaltem Wasser
    – Küchenkrepp oder sauberes, dünnes Baumwolltuch
    – Tütchen oder kleines Döschen zum Aufbewahren
  2. Vorgehen:
    – Die reifen Tomaten aufschneiden und die Kerne entnehmen.
    – An den Tomatenkernen befindet sich immer noch einiges an Fruchtfleisch, welches unbedingt entfernt werden muss. Ansonsten können die Kerne nicht gut und schnell getrocknet werden und schimmeln. Dazu zunächst die Kerne in kaltes Wasser legen. Das anschließende entfernen des Fruchtfleisches ist leider etwas mühsam.
    – Die nun „entfleischten“ Kerne müssen gut trocknen. Dazu auf ein Tuch legen und, wenn es recht nass ist, öfter mal umlegen um ein schnelles Trocknen zu ermöglichen.
    – Sobald die Kerne/Samen komplett trocken sind können sie in kleine Tütchen oder Döschen abgefüllt werden. Die Lagerung sollte – wie gewohnt  – kühl, dunkel und vor allem trocken erfolgen, damit der Samen lange seine Keimfähigkeit behält.
  3. Haltbarkeit der Samen:
    Hierbei geht um die Zeit, wie lange noch ein Großteil der Samen keimfähig ist. Man geht meistens von 70 – 80% Keimfähigkeit aus. Tomatensamen sind recht lange haltbar. Auch ich habe schon noch einigen Jahren noch „alte“ Tütchen wiedergefunden und konnte eine gute Keimfähigkeit feststellen. Laut dem Buch „Meine eigene Samen Gärtnerei“ halten die Samen mindestens 6 Jahre. Teilweise geht man auch von einer Haltbarkeit bis 10 Jahren aus.

Paprika und Chili:

  1. Was man benötigt:
    – Messer
    – Küchenkrepp oder sauberes, dünnes Baumwolltuch
    – Tütchen oder kleines Döschen zum Aufbewahren
  2. Vorgehen:
    – Die ganz reifen Paprika (oder Chili) ernten und aufschneiden: Die Samen herausnehmen und trocknen. Hier entfällt zum Glück der mühsame Schritt des Fruchtfleisch Entfernens, da die Kerne ohnehin nicht mit Fruchtfleisch umgeben sind.
    – Trotzdem auch hier zum Trocknen auf ein Tuch legen und warten bis sie komplett getrocknet sind.
    – Danach abfüllen und kühl, trocken und dunkel lagern.
  3. Haltbarkeit des Samen:
    Paprikasamen haben eine kürzere Haltbarkeit als Tomatensamen. Man geht von maximal 5 Jahren aus, eher nur 3 – 4 Jahre.

Physalis / Andenbeere:

Hierzu hat mir das von Buch von Constanze von Eschbach leider keine Information geliefert. Da es sich hierbei jedoch genau wie bei Paprika oder Tomate um ein Nachtschattengewächs handelt, habe ich es mit einem ähnlichen Vorgehen versucht – erfolgreich!

  1. Was man benötigt:
    – Messer
    – Kleine Schüssel mit kaltem Wasser
    – Küchenkrepp oder sauberes, dünnes Baumwolltuch
    – Tütchen oder kleines Döschen zum Aufbewahren
  2. Vorgehen:
    – Physalis sind erst reif und richtig lecker wenn die Außenhaut bereits vertrocknet aussieht und die Früchte von selbst abfallen. Auch hier die Früchte aufschneiden und die Kerne mit dem Messer entnehmen.
    – Hier klebt kaum Fruchtfleisch an den Kernen. Trotzdem habe die Kerne in kaltem Wasser gewaschen um alle Reste zu entfernen. Das geht zum Glück viel leichter als bei den Tomaten J.
    – Die gereinigten Kerne/Samen ebenfalls zum Trocknen auf ein Tuch legen und öfter Umlagern um ein schnelles und komplettes Trocknen zu erreichen.
    – Nach dem vollständigen Trocknen abfüllen.
  3. Haltbarkeit der Samen:
    Hierzu habe ich leider keine Erfahrung und konnte auch keine gute Literaturquelle finden. Ich werde ein paar aufheben und regelmäßig mit Hilfe der Keimprobe überprüfen.

Winterportulak und Feldsalat:

  1. Was man benötigt:
    – Schere
    – Schnur
    – Große Schüssel
    – Tütchen oder kleines Döschen zum Aufbewahren
  2. Vorgehen:
    – Zunächst einige der Salatpflanzen nicht abernten, sondern wachsen und blühen lassen.
    – Sobald die die Pflanzen verblüht sind,  fallen die Samen innerhalb weniger Tage ab – gut für Permakultur, also wenn die automatische Neuaussaat gewünscht ist, weniger gut für die Samengewinnung. Deshalb müssen wir hier einen kleinen Trick anwenden: Die Samenträger sobald sie verblüht, aber noch nicht vertrocknet sind, abschneiden und mit einer Schnur zusammenbinden.
    – Über eine große Schüssel aufhängen, so dass die Samen direkt in die Schüssel fallen können. Der Ort zum Aufhängen und Trocknen sollte nicht zu feucht sein, so dass die Samenträger gut abtrocknen können und dabei nicht anschimmeln.
    – Jetzt müssen die Samen nur noch aus der Schüssel entnommen und abgefüllt werden.
    – Auch diese Samen sollten kühl, trocken und dunkel gelagert werden.
  3. Haltbarkeit der Samen:
    Die Salatsamen haben eine eher kurze Haltbarkeit, man geht von bis zu 3 bis 4 Jahren aus.

Noch ein paar allgemeine Tipps zur Lagerung:

  • Es empfiehlt sich kein komplett schließendes Gefäß zu verwenden, sondern etwas Luftaustauch zu ermöglichen. Ansonsten kann es durch die Restfeuchte, die oft noch vorhanden, ist zur Schimmelbildung kommen.
  • Ebenfalls möglichst nicht in Plastik lagern. Papier oder Metalldöschen eignen sich um einiges besser. Ich verwende gerne mit Origamitechnik selbst gefaltete Tüten – die halten super und kommen ganz ohne Klebstoff aus. Die Anleitung dazu könnt ihr euch hier herunterladen: Origamitütchen
  • Die immer Päckchen eindeutig beschriften, inklusive Erntejahr.
  • Die Samen regelmäßig kontrollieren um evtl. entstanden Schimmel zeitig entfernen zu können, bevor er mehr Saatgut befällt und vernichtet. Gerne auch mal hinein riechen. Oft fällt muffiger Geruch auf bevor sichtbarer Schimmel entsteht. Dann auf jeden Fall wegwerfen.
  • Möglichst nicht über 25°C lagern.
  • Ihr wisst nicht so genau wie alt die Samen sind oder ob die Lagerungsbedingungen ausreichend waren? Dann empfiehlt es sich vor der Aussaat eine Keimprobe zu machen. Ihr kennt das noch nicht? Ein ausführliche Anleitung dazu finde ihr hier: Keimprobe

Hat euch meine Artikel animiert es auch mal zu probieren? Es wirklich nicht so aufwendig und schwer wie ich es mir vorgestellt hatte 🙂

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