Kamille – Anbau und Anwendung leicht gemacht

Last Updated on 15. Juni 2021 by annettes_blog

Aufmerksamen Lesern meines Blog ist es vielleicht schon aufgefallen, dass mich Heilpflanzen interessieren. In meinem Studium hatte ich damit schon einiges zu tun (ich habe Pharmazie studiert, mich dann aber noch einer kurzen Zeit in der Apotheke anders orientiert). Jedoch ist das Wissen dann leider zwischenzeitlich in die hinteren Winkel meines Gehirns verdrängt worden. Durch mein in den letzten Jahren immer größeres werdendes Interesse an Pflanzen, ist für mich auch das Thema Heilpflanzen wieder in den Fokus gerückt. Um euch einen leichten Einstieg in die Heilpflanzenkunde zu geben, möchte ich euch einige bedeutende Heilpflanzen vorstellen. In meinem ersten Heilpflanzen-Porträt geht es um die Kamille. Ein kurze Übersicht zur Verwendung, Inhaltsstoffen und Eigenschaften könnt ihr auch auf meiner Seite „HEILPFLANZEN“ finden.

Hier möchte ich etwas ausführlicher meine Erfahrungen mit der Pflanzung der Kamille auf Balkon und Terrasse teilen.

Aussaat und Pflege

Die echte  Kamille (Matricaria chamomilla) gehört genauso wie die Ringelblume zur Familie der Korbblütler (Astersceae). Sie kommt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa und ist inzwischen in ganz Europa heimisch. Es handelt sich um eine einjährige, krautige Pflanze. Das Kraut wird etwas 15 – 20 cm hoch. Die Blüten können bis zu 50 cm nach oben ragen. Leider ist sie bei uns immer weniger zu finden. An ihrem ursprünglichen Ort, in der Nähe von Getreidefeldern, wird sie meist bekämpft. Da wir sie also selten wild sammeln können, müssen wir sie wohl selbst anbauen – und das funktioniert gut!

  • Aussaat: Kamille wird durch Aussaat gezogen und keimt in der Regel gut. Man muss nur beachten, dass sich um einen Lichtkeimer handelt und die Samen deshalb nicht mit Erde bedeckt werden dürfen. Am besten nur etwas in der Erde festdrücken, damit der – sehr leichte – Samen nicht gleich beim ersten Gießen wegschwemmt. Die Aussaat kann im Herbst erfolgen, in etwas August bis Mitte September. Alternativ ab Mitte Mai, wenn der letzte Kälteeinbruch (die sog. „Eisheiligen“) vorbei ist. Die Aussaat im Herbst hat den Vorteil, dass die Ernte dann früher und meist auch üppiger erfolgen kann. Die jungen Pflänzchen sind empfindlich gegenüber Frost. Daher bei Aussaat im Herbst vor Frost schützen, beispielsweise durch Abdecken mit Vlies. Ich muss inzwischen gar nicht mehr säen, denn wenn man Kamille einmal im Topf hatte, keimt sie oft im Folgejahr von selbst. Dazu nur einige Blüten stehen lassen.
  • Pflege: Die Kamille liebt sonnige Standorte. Trotzdem ist, vor allem im Topf, auf ausreichendes Gießen zu achten. Gerade in den heißen Sommermonaten wird sie schon schnell braun und verkümmert. An den Boden hat sie wenig Ansprüche: neutral, am besten lehmig oder auch leicht sandig, so dass das Wasser gut ablaufen kann. Das heißt für uns Topfgärtner: normale Gartenerde nehmen und mit etwas Sand mischen.
    Und wie sieht es mit Düngen aus? Einmal im Jahr den Boden aufarbeiten und nachdüngen reicht vollkommen aus.

Wie ihr seht ist die Kamille recht pflegeleicht und macht wenig Arbeit. Gut für uns, wenn wir wenig Zeit haben, aber trotzdem in den Genuss der Kamille kommen möchten.

Kamille ernten

Ernten funktioniert ganz einfach durch Abschneiden oder Abzupfen der reifen Blütenstände. Aber wann sind diese reif? Bei der Kamille ist das leicht zu erkennen, wenn sich der Blütenboden hebt und somit sich das gelbe Innere nach oben wölbt, wobei die weißen Lanzettblätter außen nach unten gehen. Das ist auch das Erkennungsmerkmal, dass es sich hier um die echte Kamille handelt.

Regelmäßig abschneiden hat noch einen Vorteil: das Kraut treibt dort wieder üppig aus und die Blütenbildung wird angeregt.


Kamille
Quelle: iStock

Anwendung

Die Hauptanwendung der (getrockneten) Kamillenblüten aus dem Garten oder vom Balkon ist als Tee bzw. Aufguss bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen im Mund- und Rachenraum und bei Erkältungskrankheiten.

Zum Trocknen nur die Blütenköpfe abschneiden und auf eine Platte/ein Blech ausbreiten. Die Blüten sollten nicht übereinander liegen, das fördert Schimmelbildung. Zu Beginn, etwa die ersten 30 Minuten, mit einem Tuch abdecken. Die meisten Tierchen, die sich es möglicherweise dort bequem gemacht haben, krabbeln dann raus, Richtung Licht. An einem trockenen, warmen, aber nicht sonnige Platz komplett trocknen lassen. Warum nicht in der Sonne? Da könnte zu viel wertvolles, leicht flüchtiges ätherisches Öl verloren gehen. Die fertig getrockneten Blüten dunkel und trocken lagern.
Die getrockneten Blüten sind gut ein Jahr haltbar und behalten dabei einen Großteil ihrer Inhaltsstoffe.

Eine weitere Anwendung ist lokal auf der Haut in Form von Ölauszug oder Salbe. Durch die entzündungshemmende Wirkung hilft die Kamille gut bei Hautreizungen und -entzündungen. Der Ölauszug kann kann aus frischen oder getrockneten Blüten hergestellt werden. Eine Anleitung und kurze Videos zur Herstellung von Ölauszung und Salbe findet ihr hier.

Und bitte denkt daran (Hinweis aus rechtlichen Gründen): Meine Rezepte und Empfehlungen basieren nur auf Erfahrungswerten und sollen weder dazu auffordern sich selbst zu behandeln bzw. eine ärztliche Behandlung/Medikation abzubrechen oder zu ersetzen. Ich gebe hier keine Heil- oder Linderungsversprechen ab. Das Nachmachen erfolgt auf eigene Gefahr.

Habt ihr noch weitere Tipps zum Anbau oder der Anwendung von Kamille? Oder Fragen dazu? Dann freue ich mich auf eure Kommentare.
Viel Spaß beim Nachmachen!

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